Körperidentische Hormone für einen besseren Schlaf

Extrem belastend, aber beileibe keine Seltenheit: Etwa jede zweite Frau leidet in den Wechseljahren unter Schlafstörungen. Seit langem bekannt ist der schlaffördernde Effekt von abends eingenommenem natürlichem Progesteron, das zum Schutz der Gebärmutter von vielen Frauenärzten im Rahmen einer kombinierten Hormonersatztherapie (HRT) verordnet wird. Doch auch Östradiol kann – vor allem über die Haut angewendet – die Schlafqualität verbessern.

Sie fahren aus dem Schlaf hoch und stellen nicht selten fest: Alles ist nass. Aufstehen, Kleidung wechseln, das Bett frisch beziehen: Für manche Frauen ist das in den Wechseljahren eine Prozedur, die sich Nacht für Nacht – manchmal sogar mehrmals pro Nacht – wiederholt. Hitzewallungen und Nachtschweiß sind typische Wechseljahresbeschwerden, denn der fortschreitende Östrogenmangel bringt unter anderem das Temperaturregelzentrum des Körpers durcheinander. Die sogenannten „Hot Flushes“ dauern in der Regel etwa ein bis fünf Minuten. Im besten Falle macht sich nur ein leichtes Wärmegefühl im Körper breit, bei starker Ausprägung aber breitet sich ein plötzliches brennendes Hitzegefühl über den Oberkörper und das Gesicht aus – begleitet von Hautrötungen und heftigem Schwitzen. Klingt die „fliegende Hitze“ schließlich ab, bleiben durch den erkaltenden Schweiß auf der Hautoberfläche Kältempfinden und Schüttelfrost zurück. An Schlaf ist nach all der Aufregung meist länger nicht zu denken, der darauffolgende Tag wird nach solch schlaflosen Nächten zur Tortur.

Hormonersatztherapie lindert Hitzewallungen

Hitzewallungen und Nachtschweiß sind die Wechesljahressymptome, die Frauen meist am stärksten belasten. Die wirksamste Behandlung zur Linderung ist eine Hormonersatztherapie mit Östrogenen, mit deren Hilfe die niedrigen Hormonspiegel ausgeglichen werden. All jenen Frauen, die noch ihre Gebärmutter haben, verordnet der Frauenarzt zusätzlich eine Gestagenkomponente zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut vor Wucherungen. Viele Experten bevorzugen aufgrund des günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses die Kombination von körperidentischem bzw. bioidentischem Östradiol, das transdermal auf die Haut aufgetragen wird, und natürlichem Progesteron . Während die schlaffördernde Wirkung von Progesteron schon länger bekannt ist (1), weisen nun neuere Studienergebnisse (2) darauf hin, das auch Östradiol allein die Nachtruhe verbessert: Da nächtliche Hitzewallungen reduziert werden, hat das fast automatisch auch einen positiven Effekt auf den Schlaf. Als besonders günstig gilt transdermal angewandtes Östradiol. Der Vorteil gegenüber einer Therapie mit Tabletten: Das Östradiol wird gleichmäßig über den Tag ins Blut abgegeben, die Wirkung hält auch über Nacht an.

Mehr Informationen unter www.wechseljahre-verstehen.de

Quellen:

(1) Caufriez et al. Progesterone Prevents Sleep Disturbances and Modulates GH, TSH, and Melatonin Secretion in Post-menopausal Women. J Clin Endocrinol. 2011; 96(4): E614-23
(2) Cintron D et al. Effects of oral versus transdermal menopausal hormone treatments on self-reported sleep domains and their association with vasomotor symptoms in recently menopausal women enrolled in the Kronos Early Estrogen Prevention Study (KEEPS). Menopause 2018; 25(2): 145 – 153

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