Hormontherapie kann das Gefäßrisiko reduzieren

Intakte Blutgefäße – höhere Lebenserwartung: Eine Hormontherapie (HRT) zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen kann gesunde Gefäße schützen, wie Experten bei der Jahrestagung 2017 der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) berichteten. Die Behandlung sollte möglichst frühzeitig beginnen, so lange wie sinnvoll fortgeführt werden und immer vom Arzt an die individuelle Situation der Patientin angepasst werden.

Gesünder durch die Wechseljahre

Seit die WHI-Studie 2002 vor Gesundheitsrisiken warnte, sitzt die Angst vor Hormonen bei vielen Frauen tief: Nach der Veröffentlichung ging die Verordnung von Hormontherapien um 80 Prozent zurück (1). Nachdem jedoch eine aktuelle wissenschaftliche Neubewertung zeigte, dass die Ergebnisse jahrelang falsch gedeutet worden waren, sprechen sich führende Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Deutsche Menopause Gesellschaft (DMG) wieder eindeutig für die Hormontherapie zu Behandlung starker Wechseljahresbeschwerden aus. Schon seit längerem bekannt ist zudem der positive Einfluss der HRT auf das Diabetes- und Osteoporose-Risiko (2). Bei der DMG-Jahrestagung wurde nun außerdem berichtet, dass eine frühzeitig begonnene, längerfristig durchgeführte Hormontherapie unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich verringern kann.

Östrogene schützen vor Kalkablagerungen

Östrogene sind gewissermaßen die „Gefäßversicherung“ der Frau. Sie erweitern die Gefäße, erleichtern den Blutfluss, senken den Blutdruck und wirken gefährlichen Ablagerungen an den Gefäßwänden entgegen. Fällt der Östrogenspiegel jedoch in der Lebensmitte allmählich ab, verliert sich dieser natürliche Schutzmechanismus zunehmend, die Gefäßwände werden steifer und poröser. Auch weil ein sinkender Östrogenspiegel mit zahlreichen weiteren Risikofaktoren Hand in Hand geht, werden Frauen anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So lagert sich in der Bauchregion mehr Fett ab, der Zuckerstoffwechsel verschlechtert sich, die Blutfettwerte und der Blutdruck steigen, und es kann zu gefährlichen Kalkablagerungen in den Gefäßen kommen. Eine aktuelle US-Studie an 4.200 Frauen (3) zeigte, dass Frauen unter Hormontherapie deutlich weniger Kalkablagerungen in den Gefäßen aufweisen. Da die Gefahr von Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt umso geringer ist, je weniger Verkalkung die Gefäße aufweisen, ist es nicht verwunderlich, dass die Sterblichkeitsrate auf lange Sicht mit einer Hormontherapie niedriger ausfiel als ohne.

Hormontherapie bei Wechseljahresbeschwerden

Die aktuellen gynäkologischen Leitlinien sehen eine Hormonersatztherapie zur Behandlung von Beschwerden wie moderate bis starke Hitzewallungen vor. Davon ist etwa ein Drittel aller Frauen betroffen. Viele leiden zudem auch unter Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, Depressionen, wiederkehrenden Harnwegsinfekten, Muskel- und Gelenkschmerzen und nachlassender Leistungsfähigkeit. Eine HRT, die den Östrogenmangel ausgleicht, kann auf all diese Symptome einen lindernden Effekt sowie präventiven Nutzen für den Stoffwechsel, die Knochen und Gefäße haben. Die Notwendigkeit und den Nutzen einer Hormonbehandlung sollten Frauen grundsätzlich individuell mit ihrem behandelnden Gynäkologen besprechen.

Transdermales Östradiol und natürliches Progesteron

Rund 75 Prozent der Frauenärzte (2) verordnen bevorzugt Hormone über die Haut, etwa mit einem Östradiol-Dosiergel. Die transdermale HRT weist im Vergleich zur Einnahme von Hormontabletten das günstigste Nutzen-Risiko-Verhältnis auf. Frauen mit intakter Gebärmutter sollten zusätzlich ein Gestagen wie natürliches mikronisiertes Progesteron in Form von Weichkapseln einnehmen, um ein übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und unkontrollierte Blutungen zu verhindern. Synthetische Gestagene haben demgegenüber den Nachteil, dass sie die gefäßschützende Wirkung der Hormontherapie verringern können.

Hormontherapie in Kürze: Das sollten Frauen wissen

►  So früh wie möglich beginnen. Werden die Hormone zeitnah bei den ersten Wechseljahresbeschwerden genommen, ist der Nutzen höher und die Risiken sind geringer.
►  Östrogene möglichst über die Haut (transdermal) anwenden.
►  Hormone so niedrig wie möglich dosieren. Die Dosierung immer mit dem Frauenarzt abstimmen.
►  Nicht eigenmächtig absetzen. Eine Hormontherapie sollte so lange durchgeführt werden, wie der Arzt es empfiehlt! Anderenfalls schadet sie unter Umständen mehr als sie nutzt.
►  Auf natürliches mikronisiertes Progesteron zum Schutz der Gebärmutter setzen. Denn synthetische Hormone können den Gefäßschutz aufheben.

Weitere Informationen unter www.hormontherapie-wechseljahre.de

Quelle:
Symposium „Präventiver Einsatz der HRT – wieder eine Option?“, Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft, Frankfurt, 18. November 2017

Bildquelle: Thinkstock/Getty/iStock

Literatur:
(1) DGE: Trendwende in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden – Neubewertung älterer Studien spricht jetzt für Hormontherapie, 24.08.2017
(2) Birkhäuser M et al.: 10 Jahre Women’s Health Initiative (WHI): Was haben wir gelernt? Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2013; 7 (4) (Ausgabe für Österreich), 6-19
(3) Yoav Arnson, Cedars-Sinai Medical Center: „Hormone Replacement Therapy Is Associated With Less Coronary Atherosclerosis and Lower Mortality“

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