Hormonersatztherapie – die individuelle Behandlung bei Wechseljahresbeschwerden

Viele Frauen nehmen Abstand von einer Hormonersatztherapie aus Angst, sie könne die Gesundheit gefährden. Auslöser war die sogenannte WHI-Studie („Women’s Health Initiative“) aus dem Jahr 2002. Obwohl die Studienautoren bereits 2016 schwere Interpretationsfehler einräumten, hält sich das Vorurteil hartnäckig.

Statt einer individuellen Hormonersatztherapie (HRT) setzen immer noch viele Frauen auf Antidepressiva, Schlafmittel oder alternative Substanzen, deren Wirksamkeit nicht durch Studien gesichert ist. Oder sie versuchen, die Symptome mit einem gesunden Lebensstil in den Griff zu bekommen – was bei starken Wechseljahresbeschwerden selten Aussicht auf Erfolg hat.
Neuere Studienanalysen (1) und die Neubewertung der WHI-Studie (2) weisen darauf hin, dass eine frühe HRT in der Menopause nicht nur die Beschwerden effektiv behandelt, sondern sich auch günstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt. Inzwischen gibt es überzeugende Hinweise, dass die kombinierte HRT mit transdermalem Östradiol und natürlichem Progesteron eine sicherere Therapieoption zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen ist als die zuvor untersuchte Kombination von Östrogenen aus dem Urin trächtiger Stuten und einem synthetischen Gestagen in Form von Tabletten (3).

Trend: Maßgeschneiderte Therapie statt „Gießkannenprinzip“

Bei dieser modernen Hormonersatztherapie werden dem Körper lediglich jene Hormone zugeführt, die er selbst nicht mehr in ausreichendem Maße produziert – die Östrogene. Ging man dabei früher nach dem „Gießkannenprinzip“ vor, werden Hormone heute individuell dosiert und gezielt auf die Bedürfnisse der einzelnen Patientin abgestimmt. Frauen, die noch eine Gebärmutter haben, erhalten zusätzlich ein Gestagen wie natürliches Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut vor Wucherungen schützt. Der Therapie sollte immer eine gründliche Untersuchung des Frauenarztes vorausgehen. Die fachärztliche Anamnese, die Art der Hormone und die Wahl der Applikationsform minimieren Risiken und Nebenwirkungen. Beispielweise hat transdermal aufgenommenes naturidentisches Östradiol einen großen Vorteil: Da es nicht – wie Tabletten – die Leber passieren muss, bleibt das Thrombose-Risiko gering (4).

Quellen:

(1) The North American Menopause Society. The 2017 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2017 Jul;24(7):728-753)
(2) Manson JE, et al. Menopausal hormone therapy and health outcomes during the intervention and extended poststopping phases of the Women’s Health Initiative randomized trials. JAMA. 2013;310(13):1353-68.
(3) Mueck AO. Transdermal estradiol and progesterone: The only bioidentical HRT, discussed at the NAMS 2016 annual meeting. Gynäkologische Endokrinologie. 2017;15:65-72
(4) Scarabin PY. Progestogens and venous throm-boembolism in menopausal women: an updated oral versus transdermal estrogen metaanalysis. Climacteric. 2018;21:341-5

Bildquelle: iStock/SolStock

 

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