Tag der inneren Balance 2018: Folgen von Schichtarbeit besser bewältigen

Derzeit arbeitet jeder Sechste in Schicht oder schichtnahen Diensten, die auch der allgemeinen Bevölkerung zugutekommen. Ohne Schichtarbeit wären viele Waren nicht produzierbar, Pflege-, Dienst- und Sicherheitsleistungen nicht denkbar. Schichtarbeitende Menschen leisten daher einen unschätzbaren Beitrag für unser aller tägliches Wohl. Schichtarbeit und Wechseldienste bringen aber vielfach die innere Uhr aus dem Takt. Schlafstörungen und gesundheitliche Beeinträchtigungen können die Folge sein.

Zahlreiche Studien zeigen, dass bei Schichtarbeit psychosomatische Beschwer-den, körperliche Erkrankungen und psychische Störungen häufiger auftreten. Auch ein Zusammenhang zwischen Schichtdienst und Magen-Darm-Erkrankungen, Bluthochdruck, einem erhöhten Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes ist belegt, so Professor Dr. med. Göran Hajak, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie an der Sozialstiftung Bamberg bei der Pressekonferenz anlässlich des bundesweiten Tags des inneren Balance 2018 in München. Jede Art von Schichtarbeit hat auch spezifische Auswirkungen auf den Schlaf, betont der Schlafforscher Dr. phil. Dipl.-Psych. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. So leiden nach einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse 40 Prozent aller Schichtarbeiter an schlechtem Schlaf. Die Schlafdauer ist nach Nachtschichten am geringsten, der Schlaf zeigt mehr Unterbrechungen und weniger Tiefschlafphasen. Andererseits ist der Schlaf bei Frühschichten oft zu kurz, oberflächlich und wenig erholsam, so Weeß.

Das „Schlafkonto“ wieder auffüllen

Um den Folgen von Nacht-, Spät- und Frühschichten etwas gegenzusteuern, sollte man sein Schlafdefizit bereits vor Arbeitsantritt minimieren. Englische Wissenschaftler empfehlen deshalb am Morgen vor einer Nachtschicht ohne Wecker auszuschlafen und am Nachmittag – am besten zwischen 14 und 18 Uhr – ein kleines Nickerchen von 60 bis 90 Minuten zu halten. Dadurch vermindert sich die Schläfrigkeit während der Nachtschicht, fanden die Forscher in einer Studie (1) heraus. Generell kann Schlafhygiene zu einer besseren Qualität des Schlafs beitragen. Dazu zählen eine dunkle und ruhige Umgebung zum Schlafen nach der Schicht, ein kühler Raum, feste Rituale vor dem Zubettgehen sowie die Vermeidung von Koffein oder Nikotin. Die Einnahme von synthetischen Schlafmitteln ist hingegen nach Angaben der Wissenschaftler nicht empfehlenswert. Um nach einer Serie von Nachtschichten das „Schlafkonto“ wieder aufzufüllen, wird empfohlen, nach Schichtende zunächst 90 oder 180 Minuten zu schlafen, dann in den normalen Tagesablauf überzugehen und am Abend wieder den gewohnten Schlafrhythmus aufzunehmen.

Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen

Führende deutsche Arbeitsmediziner raten bei der Gestaltung von Schichtplänen auch Erkenntnisse aus der Arbeitsmedizin, der Chronobiologie und der Arbeitswissenschaft stärker zu berücksichtigen. So weiß man inzwischen, dass Früh-schichten für Spättypen („Nachteulen“) besonders belastend sind, während Früh-typen („Lerchen“) mit Spätschichten schlecht zurechtkommen. Generell empfehlen Arbeitsmediziner, dass nach einer Nachtschichtphase eine möglichst lange Ruhephase folgen sollte. Sie sollte auf keinen Fall weniger als 24 Stunden betragen. „Studien zeigen, dass im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge Verhaltensinterventionen und Präventionsprogramme positive Effekte auf den Schlaf, die Wachheit und Schichtakzeptanz haben können“, erklärte Weeß.

Stresslevel entscheidet über den Schlaf

Das Stresshormon Cortisol spielt für die Regulation des Schlafes ebenfalls eine wichtige Rolle. So ist bei Menschen mit normalem Arbeitsrhythmus, die nachts schlecht schlafen, der Cortisolspiegel im Speichel bereits ab dem Nachmittag erhöht. „Der Stresslevel am frühen Abend ist daher entscheidend für den Nachtschlaf“, erläuterte Hajak. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass das natürliche Arzneimittel Neurexan® den Cortisolspiegel senkt, die Entspannung fördert und die Schlaf-dauer verlängert. Im Gegensatz zu synthetischen Schlafmitteln, die zudem das Abhängigkeitsrisiko und die Gefahr eines Hangovers erhöhen, beeinträchtigt das natürliche Arzneimittel nicht die Konzentrationsfähigkeit und Fahrtüchtigkeit.

Zum siebten Mal: Tag der inneren Balance

Der Tag der inneren Balance wurde 2012 erstmals ins Leben gerufen und findet jedes Jahr am 10. Oktober statt. Der Thementag will das öffentliche Bewusstsein für die gesundheitlichen Auswirkungen von Anspannung, Stress und Schlafstörungen schärfen. Experten aus Wissenschaft und Praxis arbeiten eng zusammen und befassen sich intensiv mit diesen Themenfeldern. In diesem Jahr steht der Thementag unter dem Motto: „Arbeiten, wenn andere schlafen?! – Schichtarbeit, Nachtarbeit und die Folgen“.

Kostenlose Stress-Helpline

Bei erhöhten seelischen und körperlichen Belastungen durch den Schichtdienst kann die kostenlose Stress-Helpline 08000 – 14 28 42 ein wertvolle Hilfe sein. An jedem Donnerstag zwischen 17 und 19 Uhr stehen hier auf das Thema Stress spezialisierte Ärzte und Psychologen den Anrufern persönlich zur Verfügung.

Weitere Informationen gibt es unter www.tag-der-inneren-balance.de

Quelle:
Pressekonferenz zum Tag der inneren Balance, 29. August 2018, München

Literatur:
(1) McKenna H, Wilkes M: Optimising sleep for night shifts. BMJ 2018; 360:j5637

Bildquelle:
Thinkstock/Getty/Charlotta Ulrikh

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