Brustspannen kann verunsichern

Ein Check beim Arzt nimmt Frauen die Angst

Noch nie war die Lebenserwartung so hoch wie heute. Für Frauen liegt sie derzeit bei etwa 84 Jahren. Dafür sorgen enorme Fortschritte in der medizinischen Diagnostik und Therapie. Doch die stille Angst, an Brustkrebs zu erkranken, verlässt die meisten Frauen nie. Vor allem, wenn der Monatszyklus voranschreitet, die Brüste spannen, schmerzen und sich geschwollen anfühlen, schrillen bei vielen die Alarmglocken. Zum Glück gibt es fast immer eine harmlose Erklärung für die Veränderungen. Ein Check-up beim Gynäkologen vertreibt ängstliche Gefühle meist sehr schnell.

Spannungsgefühl, Schmerzen in der Brust, Berührungsempfindlichkeit, Wärmestau im Gewebe oder knotige Veränderungen: Mehr als jede zweite Frau (58,2 Prozent) (1) fürchtet, dass sich hinter solchen Symptomen Brustkrebs verbirgt. Meist stecken jedoch das prämenstruelle Syndrom (PMS) oder der allmähliche Beginn der Wechseljahre dahinter. Die Marburger Frauenärztin Dr. May Ziller weiß: „Solche Beschwerden treten bei Frauen unter 35 Jahren häufig auf. Aber auch Frauen ab 40 Jahren klagen öfter über beidseitige oder einseitige Brustschmerzen.“ (2) Ursache sind in der Regel hormonelle Dysbalancen in der frühen Perimenopause oder das Auf und Ab im weiblichen Zyklus. Im Brustgewebe kommt dann zu wenig vom Sexualhormon Progesteron an. Der relative Überschuss an Östrogen bindet mehr Wasser und lässt die Brüste anschwellen. Eigentlich ganz harmlos also, und sogar tastbare Knoten sind in vier von fünf Fällen nicht bedrohlich (3). Doch es gilt: Besser einmal zu viel als zu wenig geprüft.

Oft bringt schon der Ultraschall Entwarnung

Treten die Beschwerden bei jüngeren Patientinnen regelmäßig vor der Periode auf, ist die Diagnose einfach. Es handelt sich dann fast immer um ein PMS. „Liegen dagegen einseitige Beschwerden vor, ist eine Sonografie angezeigt und – je nach Alter – zusätzlich die Mammografie“, rät Dr. Ziller. Sind die Patientinnen über 40 Jahre alt, sollte der Frauenarzt sie zum Beispiel bei einer Tastuntersuchung der Brust gezielt auf das Thema Brustschmerzen ansprechen. „Denn in diesem Alter sind Patientinnen, die Beschwerden an beiden Brüsten spüren, oft nicht ausreichend über die Verbindung von Brustspannen und hormonellen Veränderungen in dieser Lebensphase informiert.“

Für jede Patientin das individuell optimale Diagnoseverfahren

Der Besuch beim Gynäkologen bringt meist schnell Gewissheit über die Ursache der Beschwerden. Welche Methoden der Arzt einsetzt, ist individuell unterschiedlich. Bei der Tastuntersuchung muss die Patientin ihre Arme heben oder in die Hüfte stemmen. Dabei achtet der Facharzt auf Schwellungen, Rötungen, Entzündungen oder Formveränderungen von Brust und Brustwarze. Bei einer Mastodynie beispielsweise ist die Brust durch Wassereinlagerungen gespannt und sehr druckempfindlich. Rund 40 bis 60 Prozent aller Frauen sind davon betroffen – typischerweise in der Zeit zwischen dem Eisprung und dem Beginn der Regelblutung.

Ärzte verordnen bevorzugt lokales Progesteron-Gel

Die bei einer zyklusabhängigen Mastodynie von Ärzten am häufigsten3 verordnete Therapie ist eine äußerliche, lokale Behandlung mit einem Progesteron-Gel wie Progestogel®. Es wird direkt auf die Brust aufgetragen, hat einen wohltuend kühlenden Effekt, zieht schnell ein und klebt nicht. Das Gel hilft auch, wenn der Arzt gutartige Gewebeveränderungen, eine Mastopathie, feststellt. Dabei lassen sich in der Brust erbsengroße Knötchen ertasten und verschieben. Verantwortlich dafür ist ebenfalls ein relativer Östrogen-Überschuss. Zwischen 35 und 55 Jahren ist fast jede Frau von solchen Veränderungen betroffen, die meist mit Einsetzen der Wechseljahre enden.

Die Sonografie deckt Zysten oder harmlose Geschwulste auf

Der Schallkopf des Ultraschallgerätes zeigt bei einer Sonografie die direkt darunter liegende Haut und das Brustgewebe. Details im Bindegewebe wie Fett, Gefäße, dichte und flüssigkeitsgefüllte Strukturen werden sichtbar. So spürt der Arzt unter anderem Zysten und Fibroadenome auf, gutartige Geschwulste in der Brust. Die Sonografie ist meist die erste diagnostische Maßnahme nach der Tastuntersuchung. In manchen Fällen ist zusätzlich eine Mammographie zur weiteren Klärung notwendig. Die Krankenkassen übernehmen im Rahmen der Vorsorge zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr zusätzlich alle zwei Jahre die Kosten für eine Mammographie. Diese Untersuchung zeigt die innere Beschaffenheit der Brust. Sogar kleinste Verdichtungen und Kalkablagerungen, sogenannter Mikrokalk, sind sehr gut sichtbar. Haben Frauen ein sehr dichtes Brustgewebe bringt ein Ultraschall zusätzliche Diagnose-Sicherheit.

Der schnelle Check: Sollte ich zum Gynäkologen gehen?

Auch wenn die Ursachen vermutlich ganz harmlos sind, sollten Frauen einen Gynäkologen aufsuchen, wenn sie folgende Veränderungen an sich bemerken:

  • In der Brust oder in der Achselhöhle sind Knoten entstanden
  • Größe, Form oder Aussehen der Brust hat sich in den letzten Tagen oder Wochen verändert
  • Werden die Arme vor dem Spiegel angehoben, heben sich die Brüste nicht mehr gleichmäßig, sondern unterschiedlich
  • Die Brustwarze ist nach innen eingezogen, hat Form und Farbe verändert, gibt flüssige Absonderungen ab oder blutet
  • Die Brust hat sich plötzlich gerötet
  • Die Haut der Brust fühlt sich anders an, zum Beispiel wärmer oder ist geschwollen

Weitere Tipps zum Thema „hormonelles Brustspannen“ finden Sie unter www.hormontherapie-wechseljahre.de und www.progesteron.de

Quellen:
(1) Praxisumfrage 2014 zur Mastodynie in der gynäkologischen Praxis im Auftrag von DR. KADE / BESINS Pharma GmbH, Berlin
(2) gyndialog Praktische Gynäkologie, gyn (20) 2015
(3) Universitätsklinikum Ulm, Comprehensive Cancer Center Ulm, www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/brustkrebs.html?no_cache=1

Photo:
Courtesy of the John D. and Catherine T. MacArthur Foundation [CC BY 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/4.0)], via Wikimedia Commons

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