Hormontherapie: WHI-Studie revidiert

„Nutzen übersteigt bei weitem mögliche Risiken“

Sie kommen nicht über Nacht, brauchen eher Jahre. Aber irgendwann sind die Wechseljahre da – und belasten mit ihren typischen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen den Alltag der Frau. Eine Hormonersatztherapie aber haben viele betroffene Frauen in den letzten Jahren gescheut. Sie fürchteten Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Brustkrebsrisiko, vor denen 2002 die Women’s Health Initiative-Studie (WHI) warnte. Jetzt revidieren die beiden  amerikanischen Studien-Autoren Dr. JoAnn E. Manson und MD Andrew M. Kaunitz ihre alten WHI-Ergebnisse: „Der Nutzen dieser Ersatzbehandlung übersteigt bei weitem mögliche Risiken.“

Frauen mit Wechseljahressymptomen eine Hormonersatzbehandlung zu verweigern, erzeugt eine große und unnötige Bürde des Leidens. Hunderttausende von Frauen hatten weltweit nach Veröffentlichung der WHI-Studie die Hormontherapie abgesetzt bzw. wurden nicht angemessen behandelt aus Sorge vor möglichen Risiken. In einer aktuellen Publikation im renommierten „New England Journal of Medicine“ nahmen die Autoren der Studie nun Stellung zu den Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation der Daten. Der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte in München, Dr. Christian Albring äußerte sich hierzu in einer jüngsten Pressemitteilung (1): „Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst soeben im „New England Journal of Medicine“ die Aussagefähigkeit ihrer eigenen Studie zurechtgerückt haben. Denn mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzlichen Placebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht. Viele haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt wirklich erleichtert sein, und wir als ihre behandelnden Frauenärztinnen und -ärzte sind es auch.“

Aus der Vergangenheit gelernt

Jedoch hat die WHI-Studie seinerzeit aufgerüttelt und zum Umdenken veranlasst. So wird heute eine Hormontherapie nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip praktiziert. Im Gegenteil, es werden der Nutzen und etwaige gesundheitliche Risiken der Frau ganz sorgfältig abgewogen. Damit ist es möglich, gezielt die bestmögliche individuelle Therapie einzuleiten. Immer mehr Frauenärzte empfehlen dabei die transdermale Gabe von Östrogenen. Denn wird das Östrogen über die Haut in den Körper geschleust, bedeutet das für die Leber eine etwa 50-fach geringere Belastung als bei Hormontabletten. Auch die Gefahr von Blutgerinnseln in den Gefäßen erhöht sich, im Gegensatz zur Behandlung mit Tabletten, nicht signifikant. Deshalb setzen immer mehr Frauenärzte auf eine transdermale Hormontherapie.

Bei intakter Gebärmutter immer auch ein Gestagen

Östrogene allein können aber zu unkontrollierten Blutungen, Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (lat: Endometrium), sogar zu Endometriums-Krebs führen. Deshalb verschreibt sie der Arzt bei Frauen mit intakter Gebärmutter zusammen mit einem Gestagen, wie naturidentischem, mikronisierten Progesteron. Das Hormon wird aus Pflanzensubstanzen wie dem Diosgenin der Yamswurzel gewonnen. Weil es von seiner Molekülstruktur her dem Gelbkörperhormon der Eierstöcke entspricht, behandelt es der weibliche Organismus im Unterschied zu synthetisch hergestellten Gestagenen wie eigenes Progesteron. Das macht es so gut verträglich und bietet der Gebärmutter-Schleimhaut effektiven Schutz. Die Weichkapseln können außerdem die Stimmung stabilisieren, beruhigen und entspannen. Vor dem Zubettgehen eingenommen, können sie den erholsamen Schlaf unterstützen und die Schlafqualität verbessern.

Quelle:
(1) Berufsverband der Frauenärzte e.V. (Pressemitteilung vom 04. Mai 2016)

Bild: Schuster PR/Thinkstock/funstock

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