Für jede Wechseljahresphase die richtige Therapie

Von der Prämenopause bis zur Postmenopause

Hitzewallungen aus heiterem Himmel, Blutungen aus dem Takt, Nervosität und Launen wie Aprilwetter: Die Wechseljahre fühlen sich seltsam an. Sie wühlen Körper und Seele auf und sind für viele Frauen im Alltag sehr belastend. Eine individuelle Hormontherapie kann dann helfen die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Berücksichtigt wird dabei heute auch das jeweilige Stadium der hormonellen Dysbalance.

Bei einigen Frauen beginnen die Wechseljahre bereits Mitte, Ende 30, bei anderen erst nach dem 50. Geburtstag. Viele erkennen den schleichenden Prozess aber nicht auf Anhieb. Wer denkt schon gleich an einen Progesteron-Mangel, wenn der Eisprung ausbleibt? Da liegt der Gedanke an eine Schwangerschaft näher. Auch Wassereinlagerungen am Bauch, nervöse Anspannung und Reizbarkeit schreiben Frauen in der Prämenopause meist dem Prämenstruellem Syndrom (PMS) wie bei jüngeren Frauen zu – zumal oft auch die Brüste unangenehm spannen. Andere wundern sich über ungewohnte Migräne-Attacken und zwei, drei Kilo mehr auf der Waage, obwohl sie ganz normal essen. Oder über Schmerzen beim Sex durch trockene Schleimhäute. Tatsächlich ist für all diese Beschwerden der allmähliche Um- und Abbau der bisher fein synchronisierten Sexualhormone Östrogen und Progesteron die Ursache.

Erste Symptome mit Progesteron lindern

Zuerst schwindet in der Prämenopause das Schwangerschaftshormon Progesteron. Es wird im Eierstock vom Gelbkörper hergestellt. Werden Eisprünge seltener, bilden sich weniger Gelbkörper – und kaum noch Progesteron. Das bringt die Balance zwischen Progesteron und Östrogen aus dem Takt, führt zu einer sogenannten Östrogen-Dominanz. Eine der Folgen: ausgedehnte Pausen zwischen den Perioden oder auch stärkere Blutungen. Ein sicherer und sanfter Weg aus dem Botenstoff-Chaos ist schon in dieser Phase eine gezielte hormonelle Therapie. Auf dem jüngsten Ärzte-Symposium „Gynäkologie kompakt“ in Würzburg riet die niedergelassene Frauenärztin Dr. May Ziller, Marburg: „Bei prämenopausalen Patientinnen kann der relative Mangel an Progesteron durch die zyklische Gabe eines Gestagens ausgeglichen werden.“ Machen den Frauen vor allem Schlafprobleme zu schaffen, sei die Gabe von Progesteron als Kapsel am Abend „immer einen Versuch wert“, so die Hormonexpertin.

Hormonbestimmung ist nur eine Momentaufnahme

Die Perimenopause – die Zeit um die Menopause – beginnt etwa ein bis zwei Jahre vor und endet etwa ein Jahr nach der letzten Regel. Die Eierstöcke bilden immer weniger Östrogen. Hitzewallungen, ausgeprägte Müdigkeit und Nachtschweiß nehmen zu. Haut und Schleimhäute werden noch spröder und trockener als zuvor. Eine Hormonbestimmung bringt hier nicht viel. „Sie ist nur eine reine Momentaufnahme“, so Dr. Ziller. Morgens könnten die Werte ganz anders ausfallen als am Abend. Und: „Das biologische Alter der betroffenen Frauen gibt zwar Hinweise auf ihren Hormonstatus, aber die Botenstoffe können in weiten Grenzen schwanken.“ In einem Menstruationszyklus gibt es beispielsweise zwei Eisprünge nacheinander, im nächsten bleibt der Eisprung ganz aus.

Den natürlichen Zyklus passgenau „nachformen“

Sinkt die Hormonproduktion so sehr, dass es überhaupt nicht mehr zum Eisprung kommt, beginnt die eigentliche Menopause, im Durchschnitt ab etwa dem 50. Lebensjahr. Treten mindestens ein Jahr lang keine Blutungen mehr auf, beginnt die Postmenopause. Östrogen wird nur noch in kleinsten Mengen produziert, die hormonellen Turbulenzen verschwinden aber noch nicht. Gerade jetzt kann eine Hormonbehandlung die Lebensqualität verbessern. „Am einfachsten zu therapieren sind Patientinnen, bei denen die Symptome erst nach der Menopause einsetzen. Bei ihnen können wir durch die Gabe des Östrogens Östradiol und einem Gestagen perfekt einen ausgewogenen Zyklus nachbilden“, erklärte Dr. May Ziller. Östradiol wird von vielen Frauenärzten heute in Form eines Hormon-Gels, das auf der Haut aufgetragen wird, verordnet. Es bildet in der Haut ein Depot und der Wirkstoff wird langsam und gleichmäßig abgegeben. Bei intakter Gebärmutter muss zusätzlich ein Gestagen wie natürliches Progesteron verabreicht werden. Das ist notwendig, weil eine reine Östrogen-Therapie das Risiko von Gebärmutterwucherungen fördern kann.

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter
www.gynolog.de
www.hormontherapie-wechseljahre.de

Quelle:
Gynäkologie kompakt, Würzburg, 16. April 2016

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