Hormone nicht eigenmächtig dosieren

Art und Menge der Hormone sollte stets der Arzt bestimmen

Sie kommen garantiert, irgendwann zwischen Mitte 40 und Ende 50. Wenn die Wechseljahre dann mit klassischen Symptomen wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen anklopfen, liegt eine Hormontherapie nahe. Welche Hormone jetzt richtig sind und welche Dosierung notwendig ist, sollte stets mit dem Frauenarzt abgesprochen werden. Auch bei Dosisänderungen sollte immer der Arzt befragt werden.

Vielen Frauen macht der schleichende hormonelle Ab- und Umbau in ihrem Körper durch Hitzewallungen und Schlafstörungen zu schaffen, auch durch Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen. „Ein paar Jahre nur, und ich bin damit durch“, hoffen dann viele. Doch die aktuellen Ergebnisse einer großen US-Langzeitstudie (1) (Study of Women’s Health Across the Nation“, SWAN) enttäuschen diese Erwartungen. Im Gegenteil: „Die Probleme bleiben umso länger, je früher sie eintreten“, so die niedergelassene Frauenärztin Dr. May Ziller, Marburg, auf dem jüngsten Symposium „Gynäkologie kompakt“ in Würzburg (2). „Setzen die Beschwerden frühzeitig in der sogenannten Perimenopause ein, vergehen rund zehn Jahre, bis sie wieder verschwinden“, sagt die Hormon-Expertin. Beginnen sie aber erst nach der Menopause, also dem Zeitpunkt der letzten Menstruation, sind die betroffenen Frauen bereits nach knapp vier Jahren wieder symptomfrei. Bei der Hälfte der insgesamt 1.449 Studien-Teilnehmerinnen dauerten die lästigen Wechseljahres-Symptome etwa 7,4 Jahre an. So oder so, eine ziemlich lange, beschwerliche Zeit.

Frauen brauchen eine möglichst fein dosierte Hormontherapie

Bei dieser Leidensspanne ist es also kein Wunder, dass immer mehr Frauen versuchen, die Hormone selbst zu dosieren. Nehmen sie z. B. ein Hormon-Gel mit dem Östrogen Östradiol, das gut zu handhaben und einfach zu dosieren ist, verzichten sie schon mal – wenn sie sich wohl fühlen – schnell auf einen Hub mit weiblichen Sexualhormonen. Umgekehrt wird der Spender bei stärkeren Beschwerden öfter gedrückt. Was viele aber oft nicht wissen: Die feine Balance der hormonellen Therapie, die genau aufeinander abgestimmte Menge an Östrogen und Progesteron, gerät dann leicht aus dem Gleichgewicht. Denn empfiehlt der Arzt z. B. nur einen Hub pro Tag, bedeutet 2-mal drücken bereits die doppelte Wirkstoffmenge Östradiol – entsprechend muss auch die Dosierung des Gelbkörperhormons Progesteron angepasst werden. Eine reine Östrogen-Therapie kann beispielsweise das Risiko von Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut fördern. Deshalb raten Gynäkologen Frauen im Klimakterium, die noch eine Gebärmutter besitzen, zu einer kombinierten Einnahme Östradiol und Progesteron. Und jede Änderung der Dosierung sollte mit dem Facharzt abgestimmt werden, um Folgeprobleme zu vermeiden. Das gilt auch und besonders für sogenannte bioidentische Progesteron-Präparate, die in der Apotheke auf Rezept angemischt werden. Auch bei diesen Magistralrezepturen handelt es sich schließlich um Hormone mit all ihren Vorteilen und Risiken. Und: Im Gegensatz zu sicheren, in klinischen Studien getesteten Arzneien, werden sie nicht geprüft. Der Gynäkologe sollte daher immer darüber entscheiden, ob diese Präparate sich eignen.

Mehr Informationen zum Thema gibt es unter
www.gynolog.de
www.hormontherapie-wechseljahre.de

Quellen:
(1) Avis NE et al., JAMA intern Med 2015;175(4):531
(2) Gynäkologie kompakt, Würzburg 16. April 2016

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