Langanhaltende Schmerzzustände sind schon bei Auszubildenden
erschreckend häufig – nicht zuletzt aufgrund des passiven
Lebensstils. Um drohende Schmerzkarrieren zu vermeiden, sind
Prävention und Intervention nötig. Dr. Stefan Wirz von der
CURA-Klinik in Bad Honnef spricht sich dabei für die
Anleitung zum ergonomischen Arbeiten und Schulsport ohne
Noten aus. In der Akuttherapie von Rückenschmerzen stuft er
bei Verspannungen auch Analgetika mit Muskeltonus
normalisierender Wirkung, wie Flupirtin, als wirkungsvoll
ein.
Fast die Hälfte von über 7.000 Lübecker Berufsschülern gaben
bei einer repräsentativen Befragung Kopf- oder
Rückenschmerzen an, die seit mehr als zwölf Monaten
bestanden. Diese Lübecker Erkenntnisse der Arbeitsgruppe von
Dr. Angelika Roth-Isigkeit sind für den Schmerztherapeuten
erschreckend. Denn ein Teil dieser jungen Menschen hat so
bereits den Grundstein für eine Chronifizierung gelegt – mit
steigendem Risiko bei beruflichem und privatem Misserfolg.
Akute Rückenschmerzen sind nach den Erfahrungen des Experten
heute definitiv keine Sache des Alters mehr. “Wir sehen
heute nicht selten junge Patienten. Oberste Priorität ist
es, sie schnell wieder auf die Beine zu bringen und
arbeitsfähig zu machen. Zuhause kreisen die Gedanken nur um
den Schmerz. Wichtig ist eine akute Physiotherapie, die oft
erst durch eine wirksame Medikation möglich wird.“
Bei Verspannungen den Muskeltonus normalisieren
In der Akuttherapie von Rückenschmerzen, die mit
Muskelverspannungen und Fehlhaltung vergesellschaftet sind,
ist Flupirtin sehr wirksam, da die Substanz sowohl die
zentrale Schmerzverarbeitung als auch den Muskeltonus
günstig beeinflusst, berichtet Wirz. Allein oder in
Kombination mit Nicht-Opioiden eingesetzt, gelingt es in
einem abgestuften Prozess meist sehr gut, den Teufelskreis
des muskuloskelettalen Rückenschmerzes zu durchbrechen. Um
den langfristigen Erfolg zu sichern, müssen die Muskeln
durch Physiotherapie aufgebaut werden.
Das Problem bei ambulanten Patienten sieht der
Schmerztherapeut in der häufig praktizierten „Billiglösung“
– nicht steroidalen Antiphlogistika – beim unspezifischen
Rückenschmerz. Bei Schmerzen mit muskuloskelettaler
Beteiligung setzt Wirz Intensitäts-abhängig auf das „volle
Programm“ mit Coxiben, Metamizol und Muskelrelaxanzien sowie
auf die akute Physiotherapie. Stehen spannungsassoziierte
Schmerzen im Vordergrund, so ist oft Flupirtin als Pharmakon
ausreichend. Die einmal tägliche Einnahme eines
Retardpräparates (etwa Trancolong®) gewährleistet in aller
Regel wirksame Plasmaspiegel über 24 Stunden.
Prävention mit Ergonomie und Sport
Zur Prävention von Schmerzkarrieren bei Berufsschülern stuft
Wirz ein Zusatzmodul zum ergonomischen Arbeiten als sinnvoll
ein. Dabei könnte den Jugendlichen vermittelt werden, wie
sie sich richtig bewegen und Verspannungen vorbeugen. Ein
weiteres geeignetes Mittel wäre Sportunterricht ohne Noten.
„Durch Freude an der Bewegung und positive Erfahrungen
gelingt es leichter, die Eigenmotivation zur körperlichen
Aktivität zu steigern.“ Mit diesen einfachen Maßnahmen
könnte man den Jugendlichen klarmachen, was sie selbst zur
Prävention von Schmerzen tun können, so der Experte.
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