Experten stehen positiv zur Hormontherapie

Vor Jahren war die Hormontherapie bei Wechseljahresbeschwerden in die Negativschlagzeilen geraten. Eine Studie aus den USA hatte unter anderem ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs unter der Einnahme von Hormonen gezeigt. Heute wird nicht nur die Fehlinterpretation dieser Studie eingeräumt, sondern zahlreiche neue Untersuchungen belegen auch, dass bei vielen symptomatischen Frauen die Vorteile einer Hormontherapie die Risiken bei weitem überwiegen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) sprach jetzt ganz offen über eine Trendwende bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden und bezieht klar eine positive Stellung zur Hormontherapie.

Trendwende bei der Therapie von Wechseljahresbeschwerden

Viele Frauen und Ärzte standen der Hormontherapie bei Wechseljahresbeschwerden jahrelang skeptisch gegenüber. Was war geschehen? Eine Studie der Women’s Health Initiative (WHI) aus den USA sorgte 2002 für weltweites Aufsehen und Verunsicherung. Untersucht wurde seinerzeit, welche positiven und negativen Auswirkungen eine Hormontherapie auf die Gesundheit im Alter habe. Die eingeschlossenen Frauen litten nicht unter Wechseljahresbeschwerden. Nach fünf Jahren wurde die Studie abgebrochen, da sich ein erhöhtes Risiko für Brust-krebs, Thrombosen, Schlaganfälle und Herzinfarkte gezeigt hat. Die Folge: Frauen brachen aus Angst ihre Therapie ab. Die Verordnung von Hormonen ging um 80 Prozent zurück. Der Verbrauch von Schlafmitteln, Antidepressiva und nicht zugelassenen alternativen Substanzen stieg hingegen rasant an.

Mängel und Fehlinterpretationen der Studie

Heute weiß man, dass bei der Interpretation der Daten nicht bedacht wurde, dass die Teilnehmerinnen der Studie im Schnitt bereits 63 Jahre alt waren, also weit über dem menopausalen Alter von circa 50 Jahren, in dem Frauen beispielsweise in Europa mit einer Hormontherapie in der Regel beginnen. Jede zweite Frau hatte bedeutsame Risiken wie ausgeprägtes Übergewicht, Bluthochdruck oder war Raucherin. Zum Teil hatten die Studienteilnehmerinnen bereits Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen oder Fettstoffwechselstörungen. Und die Dosierung des geprüften Hormonpräparates war doppelt so hoch, wie es bei Frauen im fortgeschrittenen Alter üblich ist.

Autoren bedauern Fehlinterpretation

Viele Fachleute und Wissenschaftler kritisierten in den vergangenen Jahren immer wieder die Studie und ihre Interpretation. Inzwischen bedauern auch die Autoren der WHI-Studie die Missinterpretation der Studiendaten und gaben in einer Publikation 2016 offen zu, „dass Millionen von klimakterischen Frauen dadurch die benötigte Hormontherapie verwehrt wurde“. Aus den jetzigen Erkenntnissen „übersteigt der Nutzen einer Hormonersatzbehandlung bei weitem mögliche Risiken“, so die Autoren weiter.

Rehabilitation der Hormontherapie

Inzwischen gibt es Neubewertungen der WHI-Studie. Aktuelle Studien zeigen, dass eine frühe Hormontherapie in der Menopause Symptome nicht nur effektiv behandeln kann, sondern sich sogar günstig auf das Herz-Kreislauf-System auswirkt sowie positive Effekte auf Stoffwechsel und Knochen besitzt. Experten räumen ein, dass eine Hormontherapie das Brustkrebsrisiko nicht generell erhöht. Faktoren wie Lebensalter, genetische Disposition, Gewicht und Bewegung, Dauer und Dosierung der HRT spielen eine bedeutsamere Rolle.

Fachgesellschaften beziehen positive Stellung

Bereits im vergangenen Jahr bestätigten der Berufsverband der Frauenärzte, die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Deutsche Menopause Gesellschaft in einem gemeinsamen Statement die bedauerliche Fehlinterpretation der WHI-Studie und zeigten sich erleichtert, Frauen mit klimakterischen Beschwerden wieder eine Hormontherapie empfehlen und verordnen zu können.

Mit dem Arzt die richtige Therapie finden

In einer aktuellen Stellungnahme erklärt jetzt auch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), dass „Millionen Frauen eine sinnvolle und höchst effektive Behandlung von menopausalen Beschwerden vorenthalten wurde“. Die DGE läutet nun eine Trendwende bei der Behandlung von menopausalen Beschwerden ein. „Frauen könne man jetzt wieder guten Gewissens mit einer Hormontherapie helfen“, erklärt Prof. Dr. Sven Diederich, Vizepräsident der DGE. „Fünf Jahre Hormontherapie ist mit Blick auf mögliche Risiken die richtige Zeitspanne.“
„Mögliche Risiken, wie ein gering erhöhtes Thromboserisiko unter der Hormontherapie, lassen sich durch die eine geeignete Applikationsform wie etwa über die Haut minimieren“, raten die Experten. Wichtig ist es daher mit dem Arzt über die Art und Dauer einer Therapie zu sprechen.

Endokrinologie ist die Lehre von den hormonproduzierenden Drüsen im Körper und Erkrankungen, die durch einen hormonellen Mangel oder Überschuss sowie Dysbalancen ausgelöst werden können.

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich des 2. Deutschen Hormontages, 13. September 2017, Berlin.

Bildquelle: Schuster PR/Thinkstock/Ridofranz

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